St.-Trinitatis-Kirche zu Ernstthal
Neumarkt, 09337 Hohenstein-Ernstthal
Die Ursprünge
„Das Thal, worinnen die hochgräflich Schönburgische Stadt Ernstthal gegenwärtig liegt, war im Jahr 1679 ein dichter Tannenwald; durch eine besondere Fügung der Vorsehung aber geschah es, daß an dessen Stelle gar bald Wohnhäuser entstanden. Es machte nämlich Herr Jakob Simon, Kauf- und Handelsmanns in Hohenstein, den Anfang zu dieser Veränderung damit, daß er im Jahre 1679 einen zunächst an Hohenstein gelegenen Waldplatz erkaufte. Hier baute er das erste Haus.“ (Pfr. Carl Traugott Schmidt, Neue Sächs. Kirchengalerie)
1680 brach im Schönburgischen Land eine Pestepidemie aus. Aus Sorge vor der Seuche hatten auch andere Hohensteiner die Stadt verlassen und siedelten sich an den Waldplätzen an, wo sich 1681 Johann Simon neben das Haus seines Vaters ein eigenes Haus und eine Färberei bauen ließ. Bei den Landbesitzern, den Herrn von Hinterglauchau, erwirkte Johann die Genehmigung, Wald abholzen zu lassen und einen neuen Ort zu gründen. Er investierte in den Bau weiterer Häuser, die er zuziehenden Gewerbetreibenden anbot. Er ließ diese Weber, Färber und Bleicher für sich arbeiten und zog vom Lohn einen Betrag für die Nutzung der Häuser ab. Die Lebensbedingungen für die Siedler und ihre Familien waren so gut, dass immer mehr Menschen aus anderen Orten hierher kamen.
Man besuchte selbstverständlich die Gottesdienste in Hohenstein, man wurde dort getauft, getraut, beerdigt und wurde von Hohenstein aus geistlich betreut. Die Oberen von Hohenstein sahen bald nicht mehr ein, dass die Bewohner der neuen Siedlung die Christophorikirche mit nutzten, ohne an den Kosten für deren Unterhalt beteiligt zu sein. Ab 1686 durften die Bewohner der Waldplätze die Gottesdienste in der Hohensteiner Kirche nicht mehr besuchen. Sie durften dann nach Vermittlung der Herrschaften die Kirche in Oberlungwitz mit nutzen, wo alle kirchlichen Amtshandlungen bis zum 21. Dezember 1886 stattfanden. Die Differenzen mit der Hohensteiner Bürgerschaft führten zur Gründung eines neuen Kirchspiels.
Von der Herrschaft angewiesene finanzielle Beiträge der Gemeinden Wernsdorf und Gesau, die Sammlung von Hauskollekten in der neuen Ansiedlung selbst und Spenden der Herren von Hinterglauchau machten es möglich, einen Kirchenbau zu planen. Die damals in Schloss Hinterglauchau regierenden Herrn Christian Ernst und August Ernst von Schönburg wünschten, dass der neue Ort den Namen “Ernstthal” erhalten solle. Dies wurde den Bewohnern anlässlich der Grundsteinlegung für die Kirche am 30. Mai 1687 mitgeteilt.
Schon im Oktober 1687 wurde Georg Friedrich Reinheckel als Pfarrer der Gemeinde angestellt. Bis zur Vollendung der Kirche wurden Gottesdienste in Johann Simons Brauhaus gehalten.
Simon lieh der Ernstthaler Gemeinde zum Bau der Kirche und des Pfarrhauses Geld und stiftete den Altar mit den geschnitzten Figuren, die heute an unserer Kanzel und an der Wand angebracht sind. Nach relativ kurzer Bauzeit und mit bescheidenen finanziellen Mitteln erbaut wurde das Gotteshaus am 1. November 1689 geweiht. Die Ernstthaler hatten nun ein eigenes Haus, in dem sie Gottesdienst feiern konnten. Doch in den folgenden Jahren gab es manches nachzubessern.
Erst nach 1690 wurde das Dach in einen solchen Zustand versetzt, dass es Witterungseinflüssen standhielt. Ende des 17. Jahrhunderts wurden der Taufstein aufgestellt, eine Empore für den Schülerchor angelegt und das Gestühl ergänzt. 1701/02 befestigte man den Fußboden im Altarraum mit Ziegeln und im Kirchenschiff durch Steine.
Die erste Orgel (von Meister Joh. Peter Penigke aus Zwickau) konnte 1711 angeschafft werden. Bereits 1765 wurde sie durch eine Orgel (von Joh. Jacob Schramm aus Mülsen St. Jacob) ersetzt.
Baumaßnahmen
Zwischen 1717 und 1730 wurden bauliche Veränderungen vorgenommen, damit die wachsende Zahl der Gottesdienstbesucher Platz fand. Um die westliche Giebelseite zu stabilisieren, die durch das Läuten der drei Glocken (1695, 1708 und 1732 geweiht) Risse bekommen hatte, baute man 1766 eine Vorhalle an. Als auch diese 1838 in schlechtem baulichen Zustand war, entschloss man sich, an ihrer Stelle einen Kirchturm zu errichten, in dem alle drei Glocken Platz fanden. Bis zu diesem Zeitpunkt hingen die beiden kleineren Glocken im Dachreiter, die große unter dem Kirchendach. 1842 war dieser Turmbau beendet. In den Jahren 1859/60 erfolgte ein Umbau des Kircheninneren.
1873 wurde die dritte Orgel (von Gotthilf Bärmig aus Werdau) eingebaut. Verschiedene Baumaßnahmen folgten 1886. Der umfangreichste Umbau, der eine völlige Neugestaltung zur Folge hatte, begann 1904. Fast die gesamte hölzerne Ausstattung (Gestühl, Emporen, Orgelgehäuse, Kanzel und Teile des Altars) verkaufte man als Bau- oder Brennholz. Die Decke des Kirchenschiffs wurde abgetragen, ebenso das Ziegeldach, welches durch ein schiefergedecktes Satteldach ersetzt wurde. Die Mauern sind seit diesem Umbau etwa zwei Meter höher. Durchbrüche an der Westwand ermöglichten den Anbau überdachter Außentreppen zu den Emporen. Für den Anbau der halbkreisförmigen Apsis wurde die rechteckige Ostwand teilweise entfernt. Der Umbau brachte auch den Einbau doppelt verglaster teils farbiger Fenster mit sich und bedingte neuen Außenputz. Über dem Hauptportal wurde ein Glasmosaik angebracht. Es trägt die Überschrift: “Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.”
Den Innenraum gestaltete man im Stil der Zeit, es wurden aber auch Elemente aus der alten Kirche übernommen (Taufstein, geschnitzte barocke Plastiken und das Altarbild von 1874). Die 1905 eingebaute vierte Orgel (gebaut von W. Schmeisser aus Rochlitz) stiftete Kommerzienrat Pfefferkorn. Im Jahr 1917 mussten zwei der drei Glocken und die Orgelprospektpfeifen zu Kriegszwecken abgeliefert werden. 1920 erhielt die Gemeinde drei Eisenhartgussglocken (Stimmung: es – g – b).
Renovierungen
Erst im Jahr 1952 kamen die Renovierungsarbeiten zur Ausführung, die bereits 1938 geplant, durch den Kriegsausbruch aber verhindert worden waren. Leider stellte man aus Kostengründen den Originalzustand der Bemalung nicht wieder her, sondern übertünchte die ornamentale Bemalung von 1905. Ein Fortschritt war die Umstellung auf elektrische Beleuchtung. 1966/67 wurde der Turm neu gedeckt.
Bei der nächsten Innenrenovierung 1978 stellte eine Malerfirma die Jugendstilbemalung von 1905 weitgehend wieder her. Ernstthaler Gemeindeglieder halfen in 2400 Arbeitsstunden mit. Seit 1981 besitzt die Trinitatiskirche eine Orgel (die mittlerweile fünfte) der Firma Eule aus Bautzen. 1991 konnte die Fassade der Kirche erneuert werden. Nach dem Einbau einer neuen Heizung im Jahr 1996 erfolgte 2002 auch eine Innenrenovierung der Kirche.
2006 mussten die Eisenhartgussglocken, die Verschleißerscheinungen zeigten, ausgebaut werden. Am 9. September 2007 weihte man die in Lauchhammer gegossenen Bronzeglocken (in der Stimmung fis – a – cis). Nach dem Umbau des Glockenstuhles und der Erneuerung der Balkenkonstruktion im Turm erhielten die Glocken ihren Platz und wurden am 16. Dezember eingeläutet.
2010 ließ die Gemeinde den Kirchturm von außen sanieren. Die Turmspitze samt Laterne erhielten eine Schiefereindeckung. Die alte Turmkugel wurde ersetzt und das Turmkreuz erhielt eine neue Vergoldung. Alle Außentüren wurden überarbeitet. Im Jahr 2011 erfolgte die Sanierung der äußeren Emporenaufgänge.
Wie bei jedem Haus, so ist es auch bei dieser Kirche immer wieder nötig, Hand anzulegen, um dem Verfall entgegenzuwirken. Dahinter muss eine lebendige Gemeinde stehen!
St. Christophori Kirche zu Hohenstein
Hinrich-Wichern-Straße 4, 09337 Hohenstein-Ernstthal
Offene Kirche
- Winterhalbjahr: Sonn- und Feiertage 10 – 15 Uhr
- Ostern bis Oktober (Erntedank): täglich 10 – 18 Uhr
- Turm Offen-Termine werden im 6-Türme-Boten und auf der Website bekannt gegeben
Geschichte und Architektur
Die evangelische Kirche St. Christophori ist eine dreischiffige Barockkirche.
Sie geht in ihrer jetzigen Größe und Erscheinung auf das Jahr 1757 zurück. Seit mindestens 1536 steht an dieser Stelle ein Gotteshaus, an dem in nahezu jeder Generation saniert, gebaut, verändert worden ist.
Ein größerer Umbau erfolgte 1888/89. Dazu gehört im Besonderen die Holzarchitektur aus schlesischer und schwedischer Kiefer. Die vormals umlaufenden Emporen wurden im Bereich des Altarraumes unterbrochen, um drei Glasfenster einzulassen. Die Fenster haben die drei großen kirchlichen Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten zum Thema. In dieser Zeit wurden auch die beiden Treppenhaustürme angebaut.
Der Turm wurde in den Jahren 1729 bis 1733 gebaut und misst 56 Meter. Die Steine wurden damals direkt hinter der Kirche gebrochen. Eine umfassende Sanierung des Turmes ist dann am Anfang dieses Jahrtausends erfolgt.
In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde im Innenraum der Kirche das Schiff durch eine Glaswand unterteilt und die sogenannte Winterkirche geschaffen. Im Rahmen dieses Ausbaus kamen das „Krabbelzimmer“ für unsere jüngsten Gottesdienstbesucher, die Küche und die Toiletten hinzu.
Von den verschiedenen Eingängen in die Kirche ist das Portal unterhalb des Turms sicherlich der schönste. Mit farbenfrohen Glasornamenten versehen ist hier der Versuch gelungen, der Kirche einen angemessenen Eingangsbereich zu gestalten.
Im Inneren der Brauthalle, die nun betreten wird, befindet sich das 1863 von Moritz Meurer jun. geschaffene Christusbild, welches von 1864 bis zur Erneuerung des Kircheninnern 1888 als Altarbild diente. Nach einer umfassenden Restaurierung 2019 fand es seinen Platz in der Brauthalle. Das in feurigen Farben gestaltete Glasfenster stellt seit Juni 2007 das derzeit jüngste Stück in der Kirche dar. Es geht auf die Künstlerin Isolde Roßner zurück und möchte den Betrachter dazu einladen, noch ein wenig zu verweilen und das Spiel der Farben auf sich wirken zu lassen.
Der Altarraum
Der Sandsteinaltar geht auf das Jahr des großen Kirchenumbaus 1889 zurück. Er zeigt u.a. die Abnahme Jesu vom Kreuz. Die reiche Symbolik links und rechts der Darstellung weist auf die Feier des heiligen Abendmahls mit ihren Bestandteilen Brot und Wein, bzw. Getreide und Weinstock.
Die Sandsteintaufe ist sehr viel älter und wurde 2024/2025 grundlegend restauriert. Vermutlich bereits 1610 in der Kirche aufgestellt, war sie später für einige Zeit durch eine andere Taufe ersetzt worden, die sich jetzt in der sogenannten Brauthalle befindet.
Die Kanzel ist aus Eiche gefertigt und geht auf das Jahr 1889 zurück. Es weist eine reichhaltige Schnitzkunst auf. Dargestellt sind neben Jesus Christus die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Der Fries an der Altarraumwand stammt aus dem Jahre 1989 und ist unter der Anleitung des Dresdner Künstlers Friedrich Press entstanden. Er zeigt eine Darstellung des Namenspatrons der Kirche.
Die Orgel
Die Orgel geht auf das Jahr 1777 zurück, aus dieser Zeit stammt der eindrucksvolle Prospekt. 1925 wurde von der Orgelbaufirma Jehmlich Dresden in den Prospekt hinein eine neue, größere Orgel mit pneumatischer Steuerung gebaut, deren hochromantische Disposition weitgehend erhalten ist. Es befinden sich 3.664 Pfeifen in der Orgel, die größte ist 5,5 m lang, die kleinste 12 mm. Eine weitere Besonderheit der Orgel ist ihr Fernwerk: Ein über 25 Meter langer gemauerter Schallkanal auf dem Kirchenboden führt von der Orgel bis zu einer Schallöffnung über dem Altarraum.
Bedeutende Personen aus St. Christophori
Christian Gotthilf Tag
wurde am 2. April 1735 in Beierfeld (Erzgebirge) als ältester Sohn des Schulmeisters und Organisten Christian Tag geboren. 1755 trat er die Stelle des Kantors und Lehrers hier in Hohenstein an und wirkte 53 Jahre lang, trotz lukrativer Angebote u.a. aus Dresden, Berlin und Hamburg. In seiner Zeit als Kantor von St. Christophori war Tag auch als Orgelsachverständiger tätig und sorgte für den Bau einer neuen Orgel in unserer Kirche, deren Prospekt bis heute erhalten ist. Christian Gotthilf Tag starb am 19. Juli 1811.
Gotthilf Heinrich von Schubert
Universalgelehrter und Lehrer von Kaiserin „Sissi“
Gotthilf Heinrich von Schubert wurde am 26. April 1780 im Pfarrhaus von St. Christophori geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er in Jena und wirkte dann als Arzt und Philosoph. Zu seinem literarischen Werk gehören zahlreiche philosophische Schriften und auch populäre Erzählungen und Abenteuerromane. Er beeinflusste manche Dichter seiner Zeit wie beispielsweise E.T.A. Hoffmann, Heinrich v. Kleist, Friedrich Hebbel und Adalbert Stifter. Als Professor an der Universität zu Erlangen gehörte er zu den bedeutendsten Vertretern einer religiös und romantisch geprägten Naturphilosophie. Sein Weg führte ihn u.a. nach München, wo er Doktor der Theologie wurde und den Adelstitel erhielt. In dieser Zeit unterrichtete er die allseits bekannte „Sissi“, die spätere Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn. Er starb am 1. Juli 1860 in Laufzorn bei Grünwald.
Kirche zu Wüstenbrand
Kirchweg, 09337 Hohenstein-Ernstthal OT Wüstenbrand
Geschichte
Seit wann der Ort, der später als Wüstenbrand bezeichnet wurde, besteht, ist nicht sicher. Vermutlich gab es das Dorf unter anderem Namen bereits vor der ersten urkundlichen Erwähnung in der Meißner Bistumsmatrikel im Jahr 1346, in der das Kirchdorf “Wustenbrande” genannt ist. Denkbar ist, dass Wüstenbrand zu den in der typischen Waldhufenform erbauten Siedlungen gehörte, die nach der Erbauung der Burg Rabenstein (Mitte des 12. Jahrhunderts von Ritter v. Wartha) unter deren Herrschaft entstanden. Die Ortslage an der alten Hardtstraße hatte Bedeutung für die Verbindung von Rabenstein mit Waldenburg. Die Waldenburg wurde 1165-1172 von einem Hugo von Wartha und Rudolph von Brand erbaut. Neben Dörfern entstand auch kirchliches Siedlungsland, wie hier die Klöster Chemnitz und Remse. Der Name Wüstenbrand könnte einerseits auf Ritter von Brand als Namensgeber, andererseits auf eine durch Brandrodung entstandene Siedlung hindeuten.
Es ist wahrscheinlich, dass ab Mitte des 14. Jahrhunderts in Wüstenbrand eine Pfarrkirche gab. Die geistliche Betreuung durch den Pfarrer galt auch dem später nicht mehr als Ort bestehenden Gecksdorf und der Filialgemeinde Ursprung, die aber bereits 1531 ihren ersten evangelischen Pfarrer anstellte. Der letzte katholische Pfarrer, Marcus Gros von Osterfeld, war bis 1540 in Wüstenbrand. Ihm folgte 1541 der evangelische Pfarrer Michael Lange, der für Pleißa mit Kändler und die Filialgemeinde Wüstenbrand zuständig war.
Die regionalen Verbindungen änderten sich immer wieder einmal. Noch bis 1900 waren Pleißa und Wüstenbrand Schwesterkirchgemeinden. Bis 2000 gehörte Wüstenbrand zum Kirchenbezirk Chemnitz Land, bevor es Schwesterkirchgemeinde von Ernstthal (St. Trinitatis) wurde, und damit einer anderen Ephorie angehörte. Wüstenbrand gehört seit dem 01.01.1999 als Ortsteil zu Hohenstein-Ernstthal. Seit dem 01.01.2020 gibt es die vereinigte Kirchgemeinde Ernstthal-Wüstenbrand. Sie ist Teil des Kirchenbezirkes Zwickau.
Das heutige Kirchengebäude wurde 1850/51 errichtet. Der Turm musste 1898 wegen statischer Mängel abgerissen und neu gebaut werden. Das Bauwerk ist im klassizistischen Stil erbaut und birgt lediglich einige Elemente aus der alten Wüstenbrander Kirche, die sich jedoch gut einfügen.
Von einer Kirchenrenovierung 1901 stammen die Bleiglasfenster in den Türen. Bei dieser Renovierung wurde auch die klassizistische Ausmalung durch eine Holzimitation ersetzt. Diesen stilistischen Fehlgriff behob man bei der Restauration 1977 wieder. Seit 1981 steht die Dorfkirche unter Denkmalschutz.
Glocken, Uhr & Turm
Die Töne der ersten Glocken der Wüstenbrander Kirche, deren Gießer uns nicht bekannt sind, sind längst verklungen. Glocke 1 war 1483 gegossen worden, Glocke 2 bereits im 12. Jahrhundert und Glocke 3 im Jahr 1694.
Der mit der neuen Kirche 1850/51 erbaute Turm hatte sich nach und nach in Richtung Westen geneigt, was zu einem Läuteverbot, dem Abriss und 1898 zum Neubau des Turmes führte. In diesem Zusammenhang erhielt die Kirche drei neue Bronzeglocken der Firma C. A. Bierling, die als „musikalisch bedeutsame Glocken“ über den 1. Weltkrieg gerettet werden konnten. Doch 1940 mussten die beiden großen Glocken zu Kriegszwecken abgegeben wurden.
Am 30.04.1955 wurden mit der verbliebenen Bronzeglocke (gestimmt auf den Ton gis’) drei neue Eisenhartgussglocken von der Firma Schilling & Lattermann festlich geweiht (Glocke 1: Ton e’; Glocke 3: Ton h’; Glocke 4: Ton cis”).
2017 fand eine Generalüberholung der gesamten Läuteanlage (neue Antriebe; Joche für die Hartgussglocken; Überarbeitung der Klöppel; Funksteuerung) statt. In diesem Zusammenhang wurde auch die von 1898 stammende Turmuhr der Zwickauer Firma Hahn erneuert (automatischer Aufzug, Stundenschlag, neue hinterleuchtete Zifferblätter).
Nachdem Kirchen- und Turmdach 1966 bei einem Sturm stark beschädigt worden waren, wurde die Kirche samt Turm 1972 neu eingedeckt. Kugel und Turmkreuz erhielten eine neue Vergoldung.
Inventar
Altar
1977 wurde der wurmstichige Holzaltar entfernt und durch einen zur Kirche passenden klassizistischen Steinaltartisch ersetzt. Allerdings bestehen die Teile des Überbaus (Säulen, die die Verbindung zur darüber befindlichen Kanzel herstellen) aus Holz.
Taufstein
Der Taufstein stammt von 1851 und wurde 1972 und 2025 restauriert.
Abendmahlskelch
Nach den V. A. von 1539/40 bestanden die „Cleinoth“ der Wüstenbrander Kirche in: „ein silbernn vergult kelch, …“ Dieser kleine Kelch aus vorreformatorischer Zeit wird heute nicht mehr genutzt.
Gekreuzigter Christus
Das Kruzifix mit der lebensgroßen Christusfigur stammt lt. Tafel aus dem Jahr 1698. Der Christus-Kopf ist mit einer Echthaarperücke versehen. Eine Restaurierung erfolgte 1901.
Auferstandener Christus
Diese Plastik befand sich vermutlich bereits in der Wüstenbrander Kirche; sie stammt lt. Sockeldatierung von 1738. Nach Bekämpfung des Holzwurmbefalls soll demnächst die Restaurierung der Skulptur erfolgen.
Einladender und segnender Christus
Diese Skulptur ist eine der vielen in Europa und Amerika verbreiteten Kopien der Marmorskulptur des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen (1770-1844). Auf dem Sockel des Originales im Dom von Kopenhagen ist zu lesen: “Kommt her zu mir”. Die Kopie in Wüstenbrand ist 75 cm hoch.
Reliefs
Die beiden Heiligenfiguren (Hl. Katharina links, Hl. Agnes rechts vom Seitenausgang) gehörten vermutlich früher zu einem gotischen Flügelaltar. Die sie nun beherbergenden Schreinkästen sind neueren Datums. Möglicherweise entstanden die Reliefs etwa 1511 in der Werkstatt von Meister “H.W.”. Die ursprüngliche Bemalung und spätere Vergoldung lässt sich nur noch erahnen.
Orgel
Seit 1851 befand sich in der Kirche eine pneumatische Orgel von Urban Kreutzbach (Borna). Seit 1909 gibt es an deren Stelle eine Orgel der Firma Jehmlich, zu deren Bau aber einige alte Register und das Orgelgehäuse wieder verwendet wurden. Diese Orgel wurde 2019 von Orgelbauer Christian Reinhold generalüberholt. Dabei wurden auch einige Register ausgetauscht. Die Orgel hat nun 1542 Pfeifen und 25 Register.
Quellen
- “Neue Sächsische Kirchengalerie”
- Lic. Pfr. Dr. Bönhoff
- Archiv der Kirchgemeinde Ernstthal-Wüstenbrand
- Archiv Wolfgang Hallmann
Der Friedhof der St. Trinitatis-Kirchgemeinde zu Ernstthal
Der an der Lindenstraße im Stadtteil Ernstthal befindliche Friedhof der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Trinitatis wurde im November 1913 mit einem finanziellen Gesamtaufwand in Höhe von 49.835 Mark und 12 Pfennigen fertiggestellt, wobei ein Anteil von 6.110 Mark auf den Ankauf von Grundstücken entfiel. Auf diesem Friedhof finden seitdem viele Hohenstein-Ernstthaler ihre letzte Ruhestätte.
Vorher gab es zwei Friedhöfe zwischen der Dresdner Straße/Hohe Straße, deren älterer Teil auf die Stadtgründung Ernstthals im Jahre 1680 zurückgeht und bis 1881 genutzt wurde. Eine Erweiterung in Richtung Neue Straße erfolgte 1882. Diese konnte aber der schnellen Bevölkerungsentwicklung Ernstthals nicht lange gerecht werden.
Bereits 1906 waren die zur Verfügung stehenden Flächen fast vollständig belegt. Hinzu kamen Probleme in der Bodenbeschaffenheit. So wurden mit der Stadtverwaltung Verhandlungen zwecks Erweiterung aufgenommen. Der Standort an der Dresdner Straße war jedoch nicht erweiterbar, so dass nach einem neuen Standort gesucht wurde. Hierbei kam von Seiten der Stadt der Vorschlag zur Anlage eines Zentralfriedhofs. Aber auch der Hohensteiner Friedhof war nicht ohne Probleme erweiterbar. Da sich der Handlungsbedarf verschärfte, stimmten Stadt und Landeskirche zu, geeignete Grundstücke zu erwerben und die Errichtung eines neuen Friedhofs zu veranlassen.
Die im Frühjahr 1911 in Augenschein genommenen Grundstücke entsprachen den Erfordernissen, jedoch zogen sich die Kaufverhandlungen fast ein Jahr hin. Im September 1912 wird Baurat Zeißig aus Leipzig beauftragt, Entwürfe und Zeichnung zur Errichtung einer Friedhofshalle zu fertigen. Anfang Oktober beginnen die Straßenbauarbeiten und das Anpflanzen von Bäumen. Ende Oktober 1912 vergibt der Kirchenvorstand den Auftrag für die Erd-, Maurer- und Zimmererarbeiten an Baurat Richard Müller aus Hohenstein-Ernstthal. Nach Kostenaufstellung von Baurat Zeißig sollen die Gesamtkosten für die Halle 25.000 M betragen. Der von Herrn Baurat Zeißig vorgelegte Entwurf des Eingangstores findet allseitige Zustimmung (siehe Abbildung rechts).
Am 2. November, dem Tag des jährlichen Kirchweihfestes, erfolgt die Weihe der Halle mit einem Gottesdienst. Am 7. November 1913 findet die erste Beerdigung statt. Der Friedhof an der Dresdner Straße wird zeitgleich stillgelegt und nach Ablauf der Frist als Gartenland verpachtet.
Der Friedhof der Kirchgemeinde zu Wüstenbrand
In vielen Ortschaften unserer Umgebung war es von alters her üblich, den „Gottesacker“ umgangssprachlich genannten Friedhof, um die Kirche herum anzulegen. So war auch in Wüstenbrand der Friedhof zunächst östlich, südlich und westlich unmittelbar am Kirchenbau ausgerichtet. Das ist auf einer alten Lithographie, die um 1840 entstand, gut zu sehen.
Mit Anwachsen der Bevölkerung, insbesondere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, machte sich die Erweiterung des Friedhofs erforderlich. Durch Ankauf von Land im Jahre 1897, konnte das Areal in nordwestlicher Richtung deutlich erweitert werden. 1899 entstand die Friedhofshalle, ein kleiner Klinkerbau, der erst vor wenigen Jahren neu saniert und nun wieder für Trauerfeiern genutzt werden kann.
Eine Besonderheit auf dem Wüstenbrander Friedhof stellt das Mausoleum des Baldwin Palmer dar. Palmer, der 1863 in Wüstenbrand geboren wurde, wanderte gegen Ende des 19. Jh. in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Als Plantagenbesitzer und mit dem Handel landwirtschaftlicher Produkte kam er zu einigem Wohlstand. Die Verbindung in seine Heimat riss nie ab und so verfügte er testamentarisch, in Wüstenbrand beerdigt zu werden. Dazu wurde 1928 das Mausoleum errichtet. Außerdem vermachte er seinem Heimatdorf eine Stiftung für wohltätige Zwecke. Diese Stiftung lässt sich bis Mitte/Ende der 1940er Jahre nachverfolgen.
Leider ist das 1928 errichtete Mausoleum seit etlichen Jahren ungenutzt. Die Kirchgemeinde würde sich freuen, wenn das Gebäude recht bald wieder einer Nutzung zugeführt werden könnte, damit ein Stück Ortsgeschichte, aber auch eine bauliche Besonderheit, auf dem Wüstenbrander Friedhof erhalten bliebe.
Bitte melden Sie sich bei Interesse oder mit Ihren Anregungen im Pfarramt Ernstthal, Neumarkt 20.












































