Andacht – Monatsspruch Mai

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!

Sprüche 31,8

 

Im Nachdenken über diese Andacht kam mir eine im sozialen Bereich engagierte Frau in den Sinn. Sie äußerte sich etwa so: „Um diejenigen, die den Weg zu unseren Hilfsangeboten finden, muss man sich nicht die größten Sorgen machen. Es gibt Menschen, deren Kraft nicht reicht, sich auf den Weg zu machen, oder die sich einfach schämen. Die erreichen wir gar nicht.“ Das ist eine schmerzliche Erkenntnis.

Wer den Mund für Verstummte öffnet, hat bereits die Perspektive gewechselt, hat sich eingefühlt in die Not. Da sind Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit bereits überwunden.

Seit einem Jahr halten wir pandemiebedingt Abstand. Das verändert unser Zusammenleben und es bleibt zu hoffen, dass wir uns nicht bleibend distanzieren. Zugleich lebten wir schon vorher in Abstand zu Mitmenschen und Mitgeschöpfen. Sobald wir einen Laden betreten, müssten wir Schreie hören. Es sind stumme Schreie von Menschen, die zu Hungerlöhnen schuften, von Kindern, die in Steinbrüchen ausgebeutet werden, von Meerestieren, die in riesigen Netzen verenden, von ganzen Ökosystemen, die vergiftet werden. Um Menschenrechte durchzusetzen und unsere Mitschöpfung zu bewahren, braucht es unbedingt ein Lieferkettengesetz (https://lieferkettengesetz.de/). Deutschland hinkt an diesem Punkt Frankreich und den Niederlanden hinterher.

Die Schreie der Verstummten und Entrechteten hörbar zu machen, ist die eine Seite. Ebenso wichtig ist es, Mitmenschen den Rücken zu stärken und sie dadurch zu würdigen, dass sie mit ihrer Arbeit unter fairen Bedingungen zum Zuge kommen können. Kleinbäuerinnen produzieren in Ruanda mit nachvollziehbarer Lieferkette Kaffee. (https://kaffee-kooperative.de/transparente-lieferkette-blockchain-angeliques-finest/)

Unter dem Motto #StrongWomenStrongCoffee wachsen nicht nur Kaffeekirschen, sondern es wächst auch das Selbstbewusstsein der Frauen. Emelithe Nyiramajyambere: „Es gibt keinen Job, den nur Männer tun können. Wir Frauen können es auch und genauso gut. Wir Frauen müssen uns gegenseitig ermutigen Selbstvertrauen zu entwickeln und den Job zu verfolgen, den wir uns wünschen. Es mag, von deinem Mann mal abgesehen, Leute da draußen geben, die über dich lachen. Die über uns lachen, wenn wir hier auf dem dreckigen Boden von Musasa sitzen und unsere Körbe flechten. Aber was mich motiviert ist, stark zu sein. Das Ziel ist, stark und unabhängig zu sein!“

 

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, können nur zusammen das Leben bestehn. Gottes Segen soll sie begleiten, wenn sie ihre Wege gehn.“ (SvH 067; Text: Afrikanisches Sprichwort)

 

Herzlich grüßt Ihr Pfarrer Frank Nötzold