Andacht – Monatsspruch Dezember

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

Sacharja 2,14

 

„Tochter Zion, freue dich“ – So stimmen wir gern in Gottesdiensten und adventlichen Zusammenkünften an. Nun sind wir in der gegenwärtigen Pandemie-Lage angehalten, nur ein Gemeindelied am Ende eines Gottesdienstes  zu singen. Das wird sich auf die Stimmung legen, fürchte ich, denn in gemeinsamem Gesang bricht sich Freude am besten Bahn.

Die „Tochter Zion“ ist als Personifikation der Stadt Jerusalem zu verstehen. Das Lied „Tochter Zion“ ist inspiriert von Sacharja 9,9. Ein Heils- und Friedenskönig zieht ein, der sich als „ein Gerechter und ein Helfer“ und Eselsreiter zeigt. In der bekannten Erzählung des Einzugs Jesu in Jerusalem wird Jesus mit diesem Friedenskönig Israels in Verbindung gebracht. Ist es in Sacharja 9,9 der kommende Heilskönig, der einzieht in Jerusalem, so ist es im Monatsspruch für Dezember Gott selbst. Gott selbst kommt nach Jerusalem und will darin wohnen.

Advent ist größer als unsere Traditionen und wohl auch als wir denken. Advent geht nicht in dem auf, was wir jedes Jahr aufs Neue an Bräuchen pflegen, so schön sie sind. Auch wenn wir in der Öffentlichkeit weniger singen werden, können wir in unseren Stuben im kleinen Kreis sehr wohl aus voller Kehle schmettern und musizieren. Advent als Ankunft Gottes sorgt für Freude unter unseren jüdischen Geschwistern im Glauben. Wir dürfen fröhliche Zaungäste dieser Freude sein. In Jesus, dem Sohn Israels und Gottes, haben auch wir Anteil an der Freude und dem Segen und gehören mit hinein. Ganz zart kündet sich das auch im folgenden Vers Sacharja 2,15 an: „Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen.“

Umzukehren ist eine wesentliche Bewegung in der Bibel. Menschen kehren zu Gott um. Die biblischen Texte kennen auch diese Bewegung: Auch Gott kehrt um, wendet sich Menschen wieder zu. Diese Zuwendung stiftet neu Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk. Gott ist seinem Volk bleibend treu. Gott öffnet sich auch den Völkern, die zu ihm kommen werden. Die „Tochter Zion“ ist in diesem Bild der Sehnsuchtsort in Person. Sehnsuchtsorte entfalten ihre Kraft, auch wenn sie (noch) nicht erreicht werden. Auch wenn wir vertraute adventliche Sehnsuchtsorte anders erreichen werden oder weihnachtliche Traditionen pandemiebedingt anders aufgenommen werden müssen: Gott kommt zur Welt, welche Freude.

Eine beglückende Adventszeit und ein gesegnetes Christfest in weihnachtlicher Freude wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Frank Nötzold