Andacht: Im Zweifel – Vertrauen wagen!

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Lukas 18,31

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jesus nimmt den Zwölferkreis mit. Es ist der Weg seines Leidens und Sterbens. „Es wird alles vollendet werden …“ Diese geheimnisvolle Formulierung steht im Passiv. In biblischen Texten ein Hinweis darauf, dass Gott beteiligt ist. Der Weg Jesu ist von Gott bestimmt und Jesus stimmt ihm zu. Das ist schwer zu verstehen.

In diesen Tagen wenden sich Viele an Gott. Sie bitten um ein Ende des Krieges in der Ukraine, beten für die Menschen in Not und wollen Betroffenen im Land und auf der Flucht helfen. Kyrill, der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau, scheint eher den Schulterschluss mit dem Kriegsherrn zu suchen. Er vermag nicht, zum Frieden zu mahnen. Wiegen der Erhalt von Macht und Kirchenpfründen schwerer als das Leid der Glaubensgeschwister?

Für mich bleibt viel Ratlosigkeit. Krieg kann nie eine Lösung sein. Zugleich befällt mich Unbehagen angesichts dieser gewaltig anmutenden Symbolhandlung des Bundestags. Mit großer Einmütigkeit werden gewaltige Summen für die Aufrüstung freigegeben werden. Geht es allerdings um die Ernährung, Bildung und Förderung von Kindern, dürfen sich alle Beteiligten auf ein zähes Ringen einstellen.

Jerusalem – vor den Toren dieser Stadt ging das Leben Jesu am Kreuz zu Ende. Jesus wurde dort in ein Grab gelegt. Vorher hatte Jesus ein Abschiedsmahl gefeiert und von seiner Hingabe gesprochen. Das geschah im Zusammenhang mit dem Pessachmahl. „Bis nächstes Jahr in Jerusalem!“ wünschen sich unsere jüdischen Glaubensgeschwister. Jerusalem steht als Symbolort für die Treue Gottes. Gott hat Zukunft für sein Volk. Auch das Abendmahl weist über das Ende hinaus auf einen neuen Anfang. Jesus wird Pessach und Abendmahl wieder feiern, wenn das Reich Gottes kommt.

In der diesjährigen Bibelwoche zum Danielbuch war Gelegenheit, über die Gestalt des Menschensohns nachzudenken. Der Menschensohn ist eine von Gott gesandte Richtergestalt, die sich für uns Christen in Jesus Christus zeigt. Gott vollendete den Weg seines Sohnes und er wird auch diese Welt und jedes menschliche Leben vollenden. Die Macht der Despoten und Kriegstreiber ist begrenzt. Gott sei Dank.

Die Erde scheint ein ungemütlicherer Ort geworden zu sein. Für Menschen in anderen Weltgegenden war dieses Empfinden schon längst da. Angesichts der Auferweckung Jesu ist Skepsis angebracht gegenüber allem, was den Tod bringt. Aufrüstung allein ist keine Lösung, sondern Teil des Problems.

Von Herzen wünsche ich Ihnen eine österlich-widerständige Freude am Leben. Lassen Sie sich das Leben, Beten und Glauben nicht austreiben, bleiben Sie in Verbindung mit Friedensstiftern und teilen Sie Lebensmöglichkeiten. Denn: Der Herr ist auferstanden.

Ihr Pfarrer Frank Nötzold